Gedanke · · 1 Min.
aufbau und expansion
Alles Großartige durchläuft zwei Phasen: die Phase des Aufbaus und die Phase der Expansion.
Nehmen wir die englische Sprache. Sie ist großartig, eine Weltsprache. Doch aus meiner Sicht hat sie ihre Kraft verloren. Weil so viele sie benutzen und verändern, sind ihre Worte abgenutzt, und ihre Bedeutung ist ihnen abhandengekommen. Das Deutsche wird ebenfalls verändert, doch manche seiner Worte tragen noch Gewicht. Ein „I love you“ geht leicht über die Lippen, ein „Ich liebe dich“ nicht. Gerade weil diese Worte mehr bedeuten, ist es unangenehmer, sie auszusprechen.
Damit etwas großartig wird, muss es wachsen. Doch wer expandieren will, muss zwangsläufig Opfer bringen. In der Phase des Aufbaus ist etwas roh und unverfälscht. In der Phase des Wachstums muss es umso mehr auf seine Werte achten, sonst verliert es genau das, was es großartig gemacht hat.
Doch wer nur bewahren will, bleibt klein, und was klein bleibt, zeigt nie, was in ihm steckt. Alexander der Große ging nur in die Geschichte ein, weil er dieses gigantische Reich erschuf. Hätte er seinen Hunger je gestillt, wäre das makedonische Reich niemals so groß geworden. Und doch zerfiel es kurz nach seinem Tod. Ebenso wird eine Firma, die aufhört, ihre Idee weiterzuentwickeln, ihr volles Potenzial nie zeigen.
Darin liegt ein Paradoxon. Je kleiner die Vision, desto eher kann etwas an seinen Werten und Ursprüngen festhalten. Es bleibt unverfälscht, weil nur wenige es kennen, benutzen und sich eine Meinung darüber bilden. Doch sein volles Potenzial wird es nie zeigen. Je größer es wird, desto mehr zeigt es sein wahres Können. Aber desto größer wird auch die Gefahr, dass andere es verändern.